Auge in Auge mit der Verlegerin

Sie hat es tatsächlich wieder einmal gewagt. Die Verlegerin hat mich von ihrer Computertastatur weggeschubst. „Weg da, Jethro“, hat sie gesagt. „Wie bitte?“, habe ich gefragt und mich noch ein wenig bequemer hingelegt, worauf sie mich einfach auf den Boden gestellt hat. So etwas geht natürlich gar nicht! Also nichts wie zurück auf die Tastatur.

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Ivan

DIGITAL CAMERA DIGITAL CAMERADiesmal macht auch Ivan mit. Es ist nämlich nur die Frage der Ausdauer. Und wir haben ganz bestimmt einen viel längeren Atem. Im Übrigen sollte man uns dankbar sein. Wir sorgen für Stimmung im Verlag. Legen wir uns nämlich auf eine Tastatur, entstehen unglaublich künstlerische Gebilde, neue Fenster schliessen und öffnen sich,  Buchsstaben und Zahlen tanzen wie durch Zauber auf dem Bildschirm  hin und her, und Programme, die sehr wahrscheinlich sowieso überflüssig sind, löschen wir einfach. Die Verlagsmenschen sind dann meistens… na ja, sagen wir „erstaunt“. Auf jeden Fall haben sie einen guten Grund, eine Kaffeepause zu machen.

Besonders entzückt war die Verlegerin, als ich es nur durch die Berührung von zwei, drei Tasten geschafft habe, alle Dokumente und Mail-Nachrichten auf den Kopf zu stellen. Auf jeden Fall war sie noch nie zu jemandem so freundlich am Telefon, wie zu dem jungen Mann vom Swisscom-Support, der ihr erklärt hatte, was sie machen soll, um die ganze Sache in den ursprünglichen Zustand zu bringen. Das hat mir sehr gut gefallen, also beschloss ich, weiterhin für gute Laune zu sorgen.

Neulich beispielweise versuchte die Verlegerin mit zwei Freundinnen per Mail einen Termin für ein Abendessen bei ihr zu Hause zu vereinbaren. (Nur so am Rande: die zwei haben wirklich Glück, dass die Verlegerin keine Teigwaren kochen, sondern ihre berühmt-berüchtigten „wehe Wähen“ backen will. Auf die Teigwaren haben sie letztes Mal beinahe zwei Stunden gewartet, da die Verlegerin vergass, den Herd einzuschalten. Dafür haben sie die ganze Weltliteratur und alle Lieder von Bob Dylan durchgenommen. Aber das wirklich nur am Rande.) Sie waren sich nicht ganz einig. Die Verlegerin schlug den 3. vor – das passte aber nur der einen Freundin. Also schlug die Verlegerin den 4. vor – das passte dann der anderen nicht. „Wie wärs mit dem 5. oder 6. oder 7. oder…“, schrieb die Verlegerin. Weiter kam sie nicht, da ich auf der Tastatur lag.  Schliesslich haben sie sich doch an dem 3. geeinigt.  Das nenne ich „produktives Verhandeln“. Ohne mich wären sie sehr wahrscheinlich noch heute am Überlegen.