Über die AutorInnen auf der Erbse und andere seltsame Gestalten

Jehtro fraght sich

Jehtro fragt sich

Selten sind sich meine Verlagsmenschen bei einem Thema so einig wie diesmal. Es kommt mir beinahe ein wenig verdächtig vor. Keine heftige Diskussion, keine Pro- und Kontraargumente, kein Wenn und Aber. Nein, nichts solches. Einfach nur Eintracht. Sie fragen sich, was geschehen ist? Meine Verlagsmenschen haben den Artikel gelesen, der unter dem Titel Welttag des Buches oder alle gegen alle in der Fachzeitschrift erschien, die jeden Monat in den Verlag reinflattert, und riefen einstimmig: „Recht hat er!“

Nach Ansicht der Verlegerin und meinen anderen Verlagsbediensteten traf der Verfasser den Nagel genau auf den Kopf: Die Buchmenschen bekämpfen sich gegenseitig – an manchen Tagen mehr, an manchen weniger. Besonders leidenschaftlich und in aller Öffentlichkeit frönen sie diesem fragwürdigen Hobby jedes Jahr kurz vor dem 23. April – dem Welttag des Buches. Da schiebt man sich mit einem besonderen Vergnügen den Schwarzen Peter zu. Besonders aktiv sind zu dieser Zeit die Autorenverbände. Da werden subjektiv gefärbte Unzufriedenheitslisten mit den Verlagen aufgestellt – überwiegend von Autoren, die nach ihrem ersten Buch mit einer 100-Exemplare-Auflage, das auf dem Buchmarkt auch noch unter „weiter erschienen“ figuriert, im Grössenwahn befangen sind und sich bereits im literarischen Olymp Seite an Seite mit Hemingway & Co sehen. Da werden von diesen „begnadeten“ Künstlern und ihren Verbänden seltsame Preise und Auszeichnungen an die ach so arroganten Verlage verliehen.

„Haben wir 2012 nicht auch so etwas Witziges verliehen bekommen?“, miaue ich neugierig.
„Ja, ja“, meint die Verlegerin unberührt. „Der AdS hat uns zwar mit der Bleiernen Feder bedacht, uns aber den Wanderpokal und die Urkunde nie zugestellt. Wir hätten ihn gut als Türstopper oder Briefbeschwerer brauchen können.“
„Wie wärs, wenn mal die Verlage einen Preis an die Schreiberlinge verleihen würden?“, schlage ich vor.

Meine Idee scheint alle zu begeistern, denn schon kommen die ersten Vorschläge:
Die hölzerne Erbse für all die Prinzessinnen und Prinzen der Autorengilde, die laut nach Wertschätzung schreien, wenn es um sie selbst geht, sich aber taub stellen und jeglichen Respekt vermissen lassen, wenn es um den Verlag geht, der ihre Werke finanziert.

Der hölzerne Taler oder Der nie satte Schreiberling wären passende Preise, für alle Autorinnen und Autoren, die selbstverständlich nur aus ganz edlen Gründen schreiben – weil sie diese Welt verbessern und der Menschheit ein unbezahlbares Erbe hinterlassen wollen – und sich in diesem Sinne noch vor der In-Druck-Legung ihres Werkes beim Verlag erkundigen, wie sie es anstellen sollen, um vom Verband der Autorinnen und Autoren Schweiz möglichst hohe finanzielle Unterstützung zu ergattern. Über die „Kreativität“ dieser Damen und Herren würde sich noch mancher böse Kapitalist, den selbstverständlich keine so edlen Beweggründe antreiben, wundern.

Der juristische Traumtänzer würde sich als Preis für die Verfasserin oder den Verfasser des AdS-Mustervertrages eignen. Die Dame oder der Herr sollten sich an Fantasy-Romanen versuchen. Das literarische Streichholz wäre ein angemessener Preis für den Verband selbst, da dieser die sinnlosen Reibereien zwischen den Autoren und Verlagen fleissig anheizt. Den goldene Strang schlagen meine Verlagsmenschen für all die Buchmenschen vor, die bereit sind, an dem gleichen Strang zu ziehen und bei jeglichen Missverständnissen nach konstruktiven Lösungen zu suchen.

Ich persönlich bin der Meinung, auch einen Preis verdient zu haben. Einen Jethro Friedenspreis, weil ich:
a) jegliche Missstimmung bei meinen Buchmenschen behebe – dazu reicht schon meine pure Anwesenheit
b) eine Buchhandlungshündin zu meinen Freunden zähle (Trixi, wie geht es dir?). Und das ist doch einzigartig, nicht wahr?
Also her mit dem Preis! Oder mindestens mit einer Extraportion Futter!

Jethro, der preisverdächtige Verlagskater

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