Selfies, Shelfies und andere Ansichten

Jethro Selfie

Jethro Selfie

Vor Kurzem erhielt der Cheflektor per Mail zwei Fotos: zwei selbst geknipste Aufnahmen einer Autorin und eines Autors.

„Bescheuert, diese Selfies“, meinte er.

„Self… was?“, miaute ich.

„Selfies! Selbstportraits, die man mit dem Handy knipst.“

„Die wollen sich sowieso bei dir nur einschmeicheln“, meinte die Praktikantin.

Shelfie

Shelfie

„Selfies waren gestern“, mischte sich die Verlegerin ein. „Shelfies sind in!“, sagte sie und deutete mit dem Kopf auf eines der Bücherregale. Und da sie sowieso immer und überall und alles fotografiert – das habe ich ja bereits erwähnt, oder? –, holte sie ihre Kamera aus der Tasche und schoss sofort ein Bild: VON DEM BÜCHERREGAL!

Ich fragte mich, was das soll. Das Regal habe ich mindestens hundertmal erkundet und dabei nichts Interessantes geschweige denn etwas Essbares gefunden.

Aber die Verlegerin war bereits in Fahrt gekommen. „Und jetzt ein Bigstagram“, meinte sie, hielt ein Buch, das gerade von der Druckerei geliefert worden war, ganz nah vor die Linse und drückte auf den Auslöser.

„Und was bringt das?“, miaute ich.

„Wie bitte?“, fragte die Verlegerin stirnrunzelnd. „Es macht einfach Spass!“

Bedstagram

Bedstagram

Na ja, unter Spass verstehe ich etwas anderes. Aber gut, die Verlegerin ist auch nur ein Mensch, also was solls. Etwas Gutes hatte die ganze Knipserei doch. Als ich mich dann wieder einmal im Menschenbett breit machte, schnurrte ich laut: „Komm, mach doch ein Bedstagram!“ Und das wirkte tatsächlich!

Obwohl, heute schuppste sie mich aus dem Bett und hatte dabei die Frechheit, ein Belfie von mir zu machen, ohne mich um Erlaubnis zu fragen. Selbstverständlich kann ich mich von allen Seiten sehen lassen, aber trotzdem: Ich poche auf meine Persönlichkeitsrechte, und das kostet etwas: Her mit der teuersten Sorte Trockenfutter!

Jethro, der Star

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